Fangball oder Click and Catch

Ein Spielzeug-Evergreen, das seit Jahrzehnten besteht, von dem aber niemand weiß, woher es kommt.

Wer sich als Erwachsener an dieses Spiel erinnert, hat oft Probleme, es beim Namen zu nennen. Tatsächlich ist eine Einteilung schwierig. Andere Spiele wie Korbball oder Basketball, Tennis und Fußball sind eindeutig. Doch dieses Spiel verweigert sich einer klaren Zuordnung. Vielleicht macht es das so schwierig, zu den Bildern im Kopf, die aus den Kindheitserinnerungen auftauchen, auch die richtige Bezeichnung zu finden. Hinzu kommt, dass dieses Spiel praktisch keine öffentliche Popularität besitzt. Es gibt keine Wettbewerbe, noch nicht einmal irgendwelche Regeln und auch keine dazugehörigen Sportstars. Doch im Grunde hätte es das Zeug dazu, im Rampenlicht zu stehen.

Was ist das für ein Spielzeug?

Ein konisch geformter Korb aus Plastik, darunter ein Griff mit einem Drücker, beides ebenfalls aus Plastik. Im Inneren des Griffs ist am Drücker ein Federstahl befestigt. Wird der Drücker nun betätigt, spannt er den Federstahl bis zu einem Durchrutschpunkt, an dem der Stahl zurückschnellt und einen im Korb befindlichen Ball wegschleudert. Das Spielzeug ist praktisch allen Nachkriegsgenerationen bekannt, selbst denen, die hinter dem eisernen Vorhang aufgewachsen sind. Im deutschsprachigen Raum findet es sich heute unter dem eher ungenauen Begriff Fangball, im englischen unter Click and Catch.

Das Spiel kann zu zweit, mit mehreren Personen, aber auch alleine gespielt werden. Der abgeschossene Ball muss mit dem eigenen oder dem Korb des Gegners wieder aufgefangen werden, eigentlich recht einfach. Allerdings erfordert es doch Geschicklichkeit, den Ball zu erwischen, denn die Flugbahn lässt sich nicht so einfach abschätzen. Im Gegensatz zu einer Kugel, die den Lauf eines Gewehres verlässt und deren ballistische Bahn berechenbar ist, hüpft der leichte Ball bei Click and Catch mal hierhin und mal dahin.

Warum ist das Spiel kein Hit?

Die Gründe, warum Click and Catch nicht stärker gewürdigt wird, könnten zum Beispiel in der Haltbarkeit der verfügbaren Produkte liegen. Die Lebensdauer eines Fangballkorbes ist recht gering, was eindeutig an der Schnittstelle zwischen Kunststoff und Federstahl liegt. Es vergeht meist nur eine relativ kurze Zeitspanne, bis der kleine Kunststoffbolzen bricht, der als Mitnehmer für den Federstahl dient.

Möglich, das genau diesen Zeitpunkt die Eltern eines Fangball spielenden Kindes sehnlichst herbeiwünschen, denn das durchaus laute Klicken strapaziert auf Dauer die Gehörgänge und damit die Nerven der Erwachsenen.

Heute sind die Produkte, die als Fangball oder Click and Catch angeboten werden, sehr billig und dementsprechend kaum mit Langlebigkeit gesegnet. Doch das ließe sich ändern. Genauso wie sich die Mechanik verändern ließe, um die Lautstärke der Klickgeräusche zu reduzieren. Hier eröffnet sich zudem ein regelrechter Tuning-Markt, um zum Beispiel größere Reichweiten und Geschwindigkeiten der abgeschossenen Bälle zu erzielen. So wie es beim Tennis preisgünstige und extrem teure Rackets gibt, so wären etwa Carbon-Fangkörbe möglich.

Das größte Problem dürfte jedoch der Namen sein. Weder Fangballkorb noch Click and Catch sind geeignete Begriffe, sie hören sich vielmehr wie Notlösungen an. Es braucht etwas Griffiges, das leicht zu behalten und eindeutig mit genau diesem Spiel zu identifizieren ist. Dann ist es vielleicht nur noch ein kurzer Weg, bis sich Vereine und Verbände bilden, Regeln aufgestellt werden und vielleicht in ferner Zukunft, dieses heute so bekannt unbekannte Spiel zu den olympischen Spielen zugelassen wird. Snowboarding hat es schließlich auch geschafft, oder?

September 2019


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