Das Kasperletheater – echte Interaktivität

Besser als Fernseher und Computer, das Kasperletheater im Kinderzimmer.

Wenn es in der Geschichte Europas einen Vorläufer des Fernsehens gab, so war es das Kasperletheater. Schon das Format stimmte und selbst die Inhalte glichen sich. Auch wenn heute das Kasperletheater eine Domäne der Kinder ist, in den zurückliegenden Jahrhunderten war das Spiel mit den Handpuppen von äußerster Brutalität geprägt, zum Glück jedoch eben nur gespielt.

Heute finden sich nur noch selten Kasperletheater in den Kinderzimmern, wohl auch deshalb, weil das Spiel einen hohen zeitlichen und personellen Einsatz von den Erwachsenen fordert. Das Smartphone und der Fernseher sind die einfachere Lösung. Dabei können die beiden elektronischen Geräte mit der Intensität des Kasperle-Realismus nicht mithalten. Selbst die Kinder der digitalen Generation sind vom Spiel der Handpuppen unglaublich fasziniert und gehen die Handlung in jeder Phase sehr konzentriert mit. Zumindest bis zu einem gewissen Alter. Wer schon einmal vier-, fünf- oder sechsjährige Kinder bei einer Kasperleaufführung erlebte, kennt den Unterschied zum Fernseher oder dem Handy.

Früher ein Protest gegen die Obrigkeit

Kasperletheater sind seit vielen Jahrhunderten ein europaweites Phänomen und viele Länder haben ihren eigenen „Kasperl“. In England heißt er Punch, in Italien Pulcinella, in Frankreich Guignol und in der Türkei Karagoz, um nur ein paar Beispiele aufzuführen.

Auf den Jahrmärkten des Mittelalters waren Kasperletheater das, was heute das satirische Kabarett ist, von den Obrigkeiten ungern gesehen oder zur Beeinflussung der Bevölkerung genutzt, je nach politischer oder militärischer Lage. Im damaligen Kasperletheater wurde gemordet und erschlagen, meist war es der Kasper, der einen mächtigen Gegner „erledigte“. Genau das war der Kernpunkt, dass im Kasperletheater der Wunsch vieler Menschen spielerisch umgesetzt wurde, der übermächtigen Herrschaft, etwa des Adels, ein Ende zu setzen. Erst mit der einsetzenden Industrialisierung wurde das Puppenspiel mehr und mehr Kindgerecht und trotzdem bleiben die Geschichten des Kaspers immer spannungsgeladen, was natürlich an den verschiedenen Protagonisten liegt.

Vom Krokodil bis zum Polizisten

Die klassischen Puppen in einem Kasperletheater setzen sich zum einen aus Figuren zusammen, die früher das öffentliche Bild mehr oder weniger bestimmten. Dazu gehören etwa der Polizist, der Jäger, die Magd, die Großmutter, der König und die Prinzessin. Zum anderen standen und stehen ihnen die Figuren aus der Fantasie gegenüber, das Krokodil, der Teufel, der Zauberer und natürlich der Kasper, unverkennbar an der großen Nase und der Zipfelmütze mit der Glocke.

Dieses Puppenensemble erlaubt es, immer wieder neue Geschichten zu spielen, wobei auf bereits geschriebene Stücke zurückgegriffen werden kann oder es wird einfach eine neue Geschichte erdacht. Ein Kasperletheater lässt sich auch leicht improvisieren. Dazu genügen ein paar Stühle, zwei Besen und einige Vorhänge oder Stoff, schöner ist natürlich ein richtiges kleines Kasperletheater aus Holz. Was jedoch das Kasperletheater für Kinder und so manchen Erwachsenen wirklich zum Erlebnis macht, ist die Nähe und die Realität zwischen den Puppen und den Zuschauern. Kinder können ohne Probleme ausblenden, dass am anderen Ende der Handpuppen ein Mensch versteckt ist und das die gesprochenen Stimmen mitunter die der Eltern oder der größeren Geschwister sind. Gleichzeitig ist dies ein Teil des Reizes, den Erwachsene im echten Theater oder auch der Oper erleben. So etwas bekommt kein digitales oder elektronisches Produkt hin, die spielerische Nähe zwischen den Generationen.

Juli 2019


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