Tamagotchi – das virtuelle Kleintier

In den Anfangsjahren des Handys, als die Displays noch winzig klein, meist grün hinterlegt waren und an eine mobile Internetverbindung noch nicht gedacht wurde, kam ein Spielzeug auf den Markt, dass in die Digitalisierung erstmals eine Komponente einbrachte, die später beziehungsweise heute einen dominanten Stellenwert besitzt. Die Rede ist von Gefühlen wie Liebe, Mitleid und Trauer und das Spielzeug hieß Tamagotchi.

Als am 12. Mai 1997 zum ersten Mal Tamagotchis auf dem deutschen Markt angeboten wurden, kam es zum Run auf die eiförmigen, kleinen Geräte, die mit einer Kette am Schlüsselbund befestigt werden konnten. Zuvor war die Welle der Begeisterung bereits von Japan aus nach Europa und in die USA hinübergeschwappt. Es war das erste Spielzeug, das von seinem oder ihrer Besitzerin Aufmerksamkeit forderte, genau wie es lebende Tiere, etwa Hunde oder Katzen, auch tun. Es war der Anfang der digitalen Interaktion, bei der nicht Sachzwänge im Vordergrund standen, sondern die menschliche Gefühlswelt angesprochen wurde. Das Tamagotchi wollte gefüttert werden, es wollte spielen, verlangte nach Unterhaltung und es starb, wenn sich niemand um es kümmerte. Allerdings konnte es mittels Reset-Knopf wieder zum Leben erweckt werden, wobei dies bei der ursprünglichen ersten Version, die nur in Japan auf den Markt kam, angeblich nicht der Fall gewesen sein soll.

Es gab zwar schon zuvor virtuelle Haustiere, die aber funktionierten nur auf dem PC. Das Tamagotchi war überall dabei. Klein, handlich und schön bunt, eben ein Begleiter, der seine Besitzer forderte, aber nicht überforderte. Trotz aller Beliebtheit hielt der Ansturm auf das Tamagotchi nur wenige Monate an. Das jedoch waren nur die Verkaufszahlen. In der Welt der Eigentümer, meist weibliche Teenager, wurde das Tamagotchi mitunter zum jahrelangen treuen Begleiter und es wurde zum Kultobjekt.

Das Tamagotchi lebt

Es schien tatsächlich so, das ein bestimmter Teil der Zielgruppe für das Tamagotchi eine echte gefühlsmäßige Verbindung mit dem Spielzeug eingegangen ist. Das wurde irgendwann auch dem japanischen Unternehmen Bandai klar, dem Urheber und Hersteller des echten Tamagotchi, von dem es inzwischen weit mehr Plagiate als Originale gibt. Rund sieben Jahre nach der Erstveröffentlichung brachte Bandai im Jahr 2004 den Nachfolger des Tamagotchi auf den Markt, das Tamagotchi Plus. Ein erweiterter Funktionsumfang erlaubte bei der neuen Version die Verbindung von zwei Tamagotchis, die so zum Beispiel heiraten und virtuelle Kinder zeugen konnten.

Seit dem ist das Tamagotchi zwar kein Hit mehr auf dem Spielzeugmarkt, es überzeugt jedoch durch Beständigkeit und eine treue Gemeinde. Immerhin erzeugt das Wort Tamagotchi allein in den deutschsprachigen Google Suchergebnissen über 8,6 Millionen Ergebnisse. Es gibt unzählige Tamagotchi-Foren mit zum Teil recht skurilen Beiträgen und jede Menge Tamagotchi-Friedhöfe.

RIP – wenn das Material versagt

Auch wenn wie bereits beschrieben ein Tamagotchi mittels Reset wieder belebt werden kann, ist seine irdische Hülle nicht von Dauer. Sei es die winzige Platine oder die Kunststoffhülle, die sich irgendwann verabschiedet, eines Tages tritt jedes Tamagotchi den Weg ins vermutlich digitale Jenseits an. Dafür gibt es virtuelle Friedhöfe, auf denen sich die Besitzer verabschieden können. Echte Tamagotchi-Fans geben ihren treuen Begleitern natürlich richtige Namen und es ist sicher keine Vermutung ins Blaue, wenn behauptet wird, dass nicht wenige „Hinterbliebene“ ihre Tamagotchis auch real im Garten vergraben.

Die gefühlsmäßige Bindung an eine Sache ist ja nichts Neues und vermutlich hat jeder schon einmal derartige Gefühle gehegt. Etwa zu einem Auto, das jahrelang treue Dienste geleistet hat oder eben ein Spielzeug aus der Kindheit. Das Tamagotchi war ein Spielzeug seiner Zeit, als es im Jahr 1996 zum ersten Mal das Licht der Welt erblickte. So wie es früher die ersten Teddybären waren, die brummten, wenn sie einmal auf den Kopf gestellt wurden. Das Tamagotchi des Jahres 2018 hat Internetverbindung und gehört zu einer weltweit verbreiteten Familie, die inzwischen auf 13 Versionen oder besser 13 Generationen zurückblicken kann. Das schaffen in so kurzer Zeit nur sehr wenige Toys.

Februar 2019


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