Der größte Spielplatz der Welt

Zugegeben, die Überschrift ist etwas geflunkert, aber nicht völlig erlogen. Tatsächlich ist es kein klassischer Spielplatz, sondern ein Messegelände. Darauf wird auch eher weniger gespielt, dafür vielmehr angeboten, vorgestellt und gehandelt. Aber immerhin findet sich wohl kaum irgendwo anders auf der Welt mehr unterschiedliches Spielzeug an den Tagen vom 30. Januar bis 3. Februar 2019 als auf der jährlich stattfindenden Nürnberger Spielwarenmesse. Es ist die weltgrößte Fachmesse für Spielwaren.

Leider nur für Fachpublikum

Eigentlich ist die Einschränkung, dass nur Fachhändler und Vertreter für Spielwaren zugelassen sind, fast schon eine Ehrenbeleidigung für Kinder. Welche Gruppe besitzt wohl größere Fachkenntnisse für das Spiel als Kinder? Genau das ist quasi ihr Beruf, das spielen.

Natürlich sind die Prioritäten in Nürnberg anders gesetzt, denn die rund 2800 Aussteller aus 60 Ländern versuchen natürlich, ihre Produkte an die rund 80.000 erwarteten Besucher zu bringen. Im Idealfall wird aus dem einen oder anderen Spielzeug sogar ein Trend. Der Traum jeden Spielzeugherstellers.

Was werden die Trends für 2019 sein?

Trendforscher versuchen alljährlich zu Beginn des Jahres herauszufinden, was zum Trend werden könnte. Es ist immer ein bisschen der Blick in die Glasmurmel, denn gerade heute wechseln Trends oft in kürzester Zeit. Was gerade noch der neueste Renner war, ist zwei Tage später bereits ein alter Hut.

Trotz dieser Unsicherheiten sind schon aus dem vorhergehenden Jahr bestimmte Merkmale erkennbar, die auf den einen oder anderen Trend hinweisen könnten. Drei dieser möglichen Trends für 2019 sollen an dieser Stelle vorgestellt werden.

Trend 1: Bewegung und Spiel

Es ist fraglos so, das auch bei Kindern der Bewegung im Spiel immer weniger Platz eingeräumt wird. Die schnellsten Bewegungen werden heute nicht mit den Beinen, sondern mit den Fingern und Daumen an der Computerkonsole erzeugt. Dieser Bewegungsmangel ist zumindest teilweise daran schuld, dass in Deutschland die Anzahl übergewichtiger Kinder stetig zunimmt. Dem wollen Spieleerfinder entgegenwirken, indem vermehrt Spiele so konzipiert sind, dass dabei Bewegung, Koordinationsvermögen und Reaktionszeit spielerisch trainiert werden.

Während dies früher die Hüpfspiele auf der Straße oder das Fußballmatch am Garagentor waren, sieht hier die Spieleindustrie bei den Spielekonsolen die große Zukunft. Das Spiel findet dann vor dem Großbildfernseher im Wohnzimmer statt. Im Grunde lösen die Bewegungsspiele dabei nur die Ballerspiele ab. Immerhin bewegt sich was dabei und die Kassen der Hersteller und Händler klingeln weit lauter als beim Verkauf von Malkreide oder einem Fußball.

Trend 2: Die Renaissance der Tüte

In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte sie zum Sortiment jedes gut geführten Tante-Emma-Ladens, die Wundertüte. In einem großen Glaskrug neben der Kasse war sie begehrtes Objekt von Kindern und ein lästiges kleines Übel für Eltern. Immerhin eine clevere Verkaufsidee, denn der Preis von damals 10 oder 20 Pfennig überstieg bei weitem den Wert des Inhalts. Trotzdem waren die Neugier und die Hoffnung jedes Mal gleich groß, dass sich darin etwas ganz tolles findet. Die Wundertüte ist wieder da und erfreut sich steigender Beliebtheit. Natürlich sind die Ansprüche heute größer und gehen von Kleinspielzeugen bis zum Restpostenpaket mit unbekanntem Inhalt von Online-Händlern. Es ist wohl einfach der Glaube an den mit Gold befüllten Topf am Ende des Regenbogens, der hier über den gesunden Menschenverstand siegt. Im Grunde wäre die Wundertüte, gleich in welcher Form, sogar Glücksspiel, wenn denn die eine oder andere Tüte tatsächlich einen Inhalt hätte, dessen Wert über dem Kaufpreis liegt. Das aber wird nie der Fall sein.

Trend 3: Kidult

Die Wortschöpfung aus dem englischen setzt sich aus Kid und Adult zusammen. Dahinter steckt der Trend, dass eigentlich für Kinder gedachte Spielzeuge auch von Erwachsenen zum Spielen genutzt werden.

Es hängt vielleicht damit zusammen, dass sich heute viele Erwachsene eher trauen, einfach mal wieder Kind zu sein. Mit der Wortschöpfung Kidult wurde diesem inneren Wunsch, den wohl jeder zumindest Zeitweise in sich trägt, ein Name gegeben, der unverfänglich ist. So werden Erwachsene, die sich mit Kinderspielen beschäftigen, nicht gleich in die psychopathologische Ecke gestellt.

Ein sehr sympathischer Trend, dem zu wünschen ist, dass er lange anhält.

Januar 2019


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